Der neue Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft heißt André Rankel. Der 41-Jährige folgt damit ab dem 1. September 2026 auf Harold Kreis. Im ausführlichen Interview spricht der gebürtige Berliner über seine neue Rolle, Arbeitsweisen und gemeinsame Ziele.
Wie fühlt es sich an, Bundestrainer zu sein? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?
„Es fühlt sich gut an, endlich starten zu können. Meine Vorfreude ist riesig. Ich kann es kaum erwarten, mit der Arbeit zu beginnen. Es kribbelt und ich freue mich auf all das, was kommt.“
Was war deine Hauptmotivation, diese Aufgabe anzunehmen?
„Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft zu sein, ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich möchte dabei helfen, dass wir gemeinsam einen erfolgreichen Weg gehen. Das allein ist schon Motivation genug. Ich habe den Willen, die Leidenschaft und den Stolz, alles für die Nationalmannschaft zu geben.“
Wie sehen deine nächsten Wochen aus, welche Dinge möchtest du als Erstes angehen?
„Erst einmal möchte ich alle kennenlernen. Mir ist es wichtig, dass wir eine Verbindung schaffen und Vertrauen aufbauen. Jeder hier soll das Gefühl haben, Teil unseres Weges zu sein. Dann werde ich mit den Spielern sprechen und sie vor Ort besuchen. Die Jungs sollen mich auch persönlich kennenlernen. Mit den Trainern und dem Management jedes Vereins werde ich mich auch austauschen.“
Neben deiner erfolgreichen Karriere bei den Eisbären Berlin (u. a. sieben Meistertitel als aktiver Spieler) hast du auch 76 Länderspiele (u. a. sieben WM-Teilnahmen, Olympia in Vancouver) absolviert. Welcher Moment im DEB-Trikot ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
„Es gibt definitiv mehrere Momente. Der erste ist natürlich mein erstes Länderspiel. Ich war eigentlich Stürmer, aber mein erstes Länderspiel habe ich als Verteidiger bestritten. Das werde ich nie vergessen. Und das WM-Eröffnungsspiel 2010 auf Schalke. Wir haben damals die USA geschlagen und eine riesige Euphorie erzeugt. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Jetzt ist die Vorfreude umso größer, dort im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.“
Du hast das Spiel in Gelsenkirchen erwähnt. Ist es genau das, was den Reiz der Nationalmannschaft ausmacht – Begeisterung zu wecken, die Fans mitzunehmen und bei so einem Turnier ein ganzes Land hinter sich zu bringen?
„Ja, natürlich. Das DEB-Team ist meiner Meinung nach die wichtigste Mannschaft, um so eine Euphorie zu entfachen und um Kinder dazu zu bewegen, Eishockey zu spielen. Wenn ich meinen dazu Teil beitragen kann, dass wir erfolgreich sind und so noch mehr Begeisterung entsteht, wir mehr Fans gewinnen und Kinder zum Eishockey kommen, würde ich mich sehr freuen.“
Wenn du auf die letzten Ereignisse der Nationalmannschaft blickst und ein Stück weit vorausschaust: Ist Begeisterung so ein Punkt, der bereits jetzt am Anfang für dich eine Rolle spielt?
„Begeisterung ist ein großes Wort. Natürlich wollen wir mit der Art und Weise, wie wir Eishockey spielen, die Leute begeistern. Aber zuallererst ist es meine Aufgabe, die Spieler persönlich zu treffen und dann auch dieses Feuer bei ihnen zu entfachen. Wir müssen den Glauben wieder erzeugen, dass wir als Nationalmannschaft etwas erreichen können. Wenn uns das gelingt und wir auch so auftreten, dann bin ich überzeugt davon, dass wir auch die Fans wieder mehr begeistern können.“
Gibt es für dich einen Erfolgsfaktor bei der Zusammenstellung einer Mannschaft und eine Zutat, die es immer braucht?
„Ich bin jemand, der immer über einen Prozess redet. Über etwas, was wir heute machen müssen, um am Schluss da zu sein, wo wir hinwollen. Deswegen sind für mich Kultur, Identität und bestimmte Standards ganz wichtig. Das ist das Fundament, auf dem wir alles aufbauen. Wir haben unglaublich gute Eishockeyspieler. Jetzt geht es darum, dass wir ein Team sind, das gemeinsam ein Ziel verfolgt und dem alles unterordnet.“
Oft wird heute auch über Kommunikation gesprochen. Wie sehr hat sich dieser Part aus deiner Sicht verändert?
„Ich denke, dass Kommunikation mittlerweile der wichtigste Punkt ist. Die Spieler müssen wissen, wer ich bin und wofür ich stehe. Genauso verhält es sich aber auch andersrum. Nur so kann ich auf die Jungs spezifisch eingehen. Man kann nicht alle Spieler gleich behandeln. Natürlich gibt es Werte, die jeder bringen muss. Aber wenn ich den Einzelnen nicht kenne, kann ich ihm nicht dabei helfen, besser zu werden. Deswegen ist Kommunikation das A und O.“
Als U18-Honorar-Bundestrainer und mit der Rückkehr in die WM-Topdivision hast du bereits einen Einblick in den DEB bekommen. Hilft dir das beim Start in deine neue Aufgabe?
„Die Reise mit der U18 und dieser Erfolg waren eine tolle Erfahrung für mich. Zu sehen, wie die Jungs individuell und als Mannschaft gewachsen sind und am Ende jubelnd ihr Ziel erreicht haben, war unheimlich schön. Und das hat mir bereits dabei geholfen, die Strukturen hier kennenzulernen und zu wissen, wie gewisse Dinge ablaufen.“
Was glaubst du: Worin wird der größte Unterschied zwischen der Arbeit in einem Club und jetzt beim DEB als Bundestrainer bestehen?
„Ich lasse das alles erst einmal auf mich zukommen. Im Verein bin ich jeden Tag da und mit den Spielern vor Ort. Ich trainiere mit ihnen und baue so eine Verbindung auf. Das ist bei der Nationalmannschaft anders. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, das auch hier zu kreieren. Darin besteht eine der Herausforderungen für mich selbst. Ich will eine tägliche Struktur schaffen, von der alle profitieren.“
Im Sport und speziell im Eishockey arbeitet man täglich mit unterschiedlichen Charakteren zusammen, die zu einer Einheit werden müssen. Wie groß ist der Reiz für dich, Bestandteil eines Teams zu sein?
„Ich bin ein absoluter Teamplayer. Ich glaube, dass man nur so erfolgreich sein kann. Natürlich bin ich jetzt Trainer und gebe den Weg vor. Aber mir ist es extrem wichtig, jedem das Gefühl zu geben, dass er ein wichtiger Bestandteil davon ist. Am Ende ist jedes Turnier und auch jedes Jahr wie ein Neuanfang. Neue Spieler kommen dazu, andere gehen, es wird Wechsel geben. Es fängt immer wieder von vorne an und das ist eine schöne Herausforderung.“
War es für dich eigentlich immer klar, dass du dem Eishockey nach deiner aktiven Karriere in dieser Form verbunden bleiben möchtest?
„Als ich noch gespielt habe, habe ich gesagt, dass ich niemals Trainer werde. Keine Chance. Aber als ich in alles ein bisschen reingeschaut habe, habe ich schnell gemerkt, dass es das für mich ist. Mir macht es unheimlich viel Spaß, eine Identität aufzubauen, mit Spielern zu arbeiten, zu sehen, wie sie wachsen und wie das Team wächst – und im Optimalfall die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Einen Weg mitzugehen und dort eine führende Rolle einzunehmen, ist sehr erfüllend.“
Abschließend gehen wir mal weg von der täglichen Arbeit. Wie schaltest du in deiner Freizeit ab und bekommst den Kopf frei?
„Wenn ich wirklich mal Zeit habe, dann fahre ich sehr gerne Rennrad. Ansonsten bin ich auch hier wieder ein Teamplayer und verbringe gerne Zeit mit meiner Familie. Das ist das Schönste, was es gibt.“
