Mit dem neuen Lehrgang „Head of Coaches“ hat der Deutsche Eishockey-Bund e.V. (DEB) ein Qualifizierungsangebot geschaffen, das gezielt auf die Anforderungen von Verantwortlichen für den Nachwuchs in Vereinen zugeschnitten ist. Die neu geschaffene Funktion soll künftig eine Schlüsselrolle innerhalb des Fünf-Sterne-Programms einnehmen und die Nachwuchsarbeit nachhaltig stärken.
Der Head of Coaches beziehungsweise sportliche Leiter Nachwuchs soll dabei den gesamten Nachwuchsbereich eines Vereins im Blick behalten, einen sportlichen roten Faden etablieren und die Vereinsphilosophie über alle Altersklassen hinweg mit Leben füllen.
„Wir haben festgestellt, dass es in vielen Vereinen engagierte Trainerinnen und Trainer gibt, aber häufig eine Person fehlt, die die gesamte Nachwuchsarbeit überblickt, koordiniert und weiterentwickelt“, erklärt DEB-Bundestrainer Wissenschaft & Ausbildung Karl Schwarzenbrunner.
Voraussetzungen für die Teilnahme
Grundsätzlich richtet sich der Lehrgang an Personen, die von ihren Vereinen zukünftig als sportliche Leiter oder Leiterinnen des Nachwuchses vorgesehen sind. Eine Trainerlizenz ist dabei die reguläre Zulassungsvoraussetzung. In begründeten Ausnahmefällen kann jedoch auch ein sogenanntes funktionales Äquivalent anerkannt werden. Über die Zulassung entscheidet ein Gremium aus Bundestrainern sowie Vertretern der Bereiche Wissenschaft, Ausbildung und Vereinsbetreuung.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen somit bereits einschlägige Erfahrungen mit. Viele sind heute schon als Bereichsverantwortliche oder als Trainer oder Trainerin tätig. Der Lehrgang soll darauf vorbereiten, künftig die Gesamtverantwortung für die Nachwuchsarbeit eines Vereins zu übernehmen.
Ein „Mini-MBA“ für die sportlichen Leiter und Leiterinnen Nachwuchs
Inhaltlich geht der Lehrgang weit über sportfachliche Themen hinaus. Neben Ausbildungsphilosophien und sportlicher Entwicklung stehen insbesondere Führungs- und Managementkompetenzen im Mittelpunkt. „Ich würde den Lehrgang als eine Art „Mini-MBA“ für die sportlichen Leiter oder Leiterinnen des Nachwuchses bezeichnen“, sagt Schwarzenbrunner. „Themen wie Führung, Personalmanagement, Konfliktmanagement, Kulturentwicklung und Change-Management spielen eine zentrale Rolle.“
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung einer nachhaltigen Vereinskultur. Die Head of Coaches sollen künftig nicht nur organisatorische Aufgaben übernehmen, sondern auch als Multiplikatoren innerhalb ihrer Vereine wirken und Trainerinnen und Trainer begleiten sowie weiterentwickeln. „Ein guter Head of Coaches ist für mich ein Kulturarchitekt. Er oder sie entwickelt Strukturen, vermittelt Werte und schafft Orientierung für alle Beteiligten.“
Darüber hinaus beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Stakeholder-Management und dem Umgang mit unterschiedlichen Interessengruppen. Gerade Eltern spielen im Nachwuchsbereich eine wichtige Rolle – eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Verein ist dabei von besonderer Bedeutung.
Praxisnahe Ausbildung mit konkretem Vereinsbezug
Der Lehrgang beginnt mit einem vorbereitenden Online-Modul im Blended-Learning-Format. Dort analysieren die Teilnehmenden unter anderem die Strukturen ihres eigenen Vereins und setzen sich mit bestehenden Organisationsformen auseinander. Es folgen vier Präsenztage sowie zwei virtuelle Ausbildungstage. Die Prüfungsleistungen orientieren sich dabei konsequent an der Vereinspraxis.
So müssen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen etwa ein Pitch-Video entwickeln, mit dem sie eine Idee gegenüber einem Vereinsvorstand überzeugend präsentieren. Hinzu kommen Fallbearbeitungen zu Konflikt- und Führungssituationen sowie die Entwicklung einer umfassenden Nachwuchsphilosophie für den eigenen Verein. „Die Prüfungen spiegeln genau die Herausforderungen wider, mit denen die Teilnehmenden später im Vereinsalltag konfrontiert werden“, weiß Schwarzenbrunner.
Gemeinsame Entwicklung mit den Vereinen
Die Grundlage für den Lehrgang entstand in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen. Vertreter und Vertreterinnen aus dem gesamten Verbandsgebiet, inklusive der Vereinsbetreuer Uli Liebsch (PENNY DEL), Markus Gleich (DEL2) und Florian Ondruschka (DEB-Ligen), kamen zu einem zweitägigen Workshop zusammen, um Anforderungen, Aufgabenfelder und Inhalte der neuen Funktion zu definieren. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte Karl Schwarzenbrunner in Zusammenarbeit mit Collin Danielsmeier (Referent Trainerausbildung & Vereinsbetreuung) das finale Curriculum. Schwarzenbrunner: „Die Inhalte sind nicht am Schreibtisch entstanden. Sie kommen direkt aus den Vereinen und orientieren sich an den Herausforderungen, die dort täglich auftreten.“
Langfristige Stärkung der Vereinsstrukturen
Mit der Einführung des Head of Coaches verfolgt der Verband das Ziel, die Nachwuchsarbeit langfristig professioneller und nachhaltiger aufzustellen. Die neue Funktion soll Vereinen helfen, Ausbildungsphilosophien konsequent umzusetzen, Trainer und Trainerinnen besser zu begleiten und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verbessern. „Wenn wir in einigen Jahren sehen, dass Vereine einen klaren roten Faden in ihrer Nachwuchsarbeit haben, Trainer und Trainerinnen gezielt weiterentwickelt werden und die Qualität der Ausbildung nachhaltig steigt, dann haben wir unser Ziel erreicht“, betont Schwarzenbrunner.
Trainer unterstützen, Vereine entwickeln
Für den Verband geht es bei der Einführung des Head of Coaches jedoch um weit mehr als eine zusätzliche Funktion im Organigramm. Vielmehr soll eine zentrale Person etabliert werden, die die Nachwuchsarbeit strategisch begleitet und weiterentwickelt. „Ihre Aufgabe ist es, Trainerinnen und Trainer an die Hand zu nehmen, sie zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die bestmögliche Ausbildung unserer Spielerinnen und Spieler“, so Schwarzenbrunner.
Große Nachfrage zur Lehrgangs-Premiere
Dass der Bedarf in den Vereinen vorhanden ist, zeigte sich bereits zum Auftakt des Lehrgangs in der vergangenen Woche in Füssen. Obwohl die Teilnehmerzahl bewusst auf 30 Personen begrenzt wurde, war das Interesse deutlich größer. „Wir mussten für den ersten Durchgang sogar Bewerber ablehnen“, berichtet Schwarzenbrunner.
Hintergrund ist die schrittweise Einführung der neuen Funktion im Rahmen des Fünf-Sterne-Programms. Aktuell sind rund 60 Vereine Teil des Programms. Mit dem ersten Lehrgang werden rund 30 Teilnehmende ausgebildet. Bereits im kommenden Jahr soll eine zusätzliche Lehrgangsreihe folgen, um weitere Vereine abzudecken.
Ab der Saison 2027/2028 wird die Funktion des Head of Coaches dann vollständig in die Anforderungen des Fünf-Sterne-Programms integriert. Durch die ersten beiden Lehrgangsdurchgänge sollen bis dahin die meisten Vereine über entsprechend qualifizierte Personen verfügen. Auch für zukünftige Personalwechsel innerhalb der Vereine sind Lösungen vorgesehen. Da es durch personelle Veränderungen immer wieder zu Übergangssituationen kommen wird, sollen entsprechende Regelungen geschaffen werden.
Wichtiger Baustein im Sterneprogramm
Ab der Saison 2027/2028 wird die Funktion des Head of Coaches auch im Rahmen des Sterneprogramms eine zentrale Rolle spielen. Für den Erwerb des zweiten Sterns wird die Position zu einem relevanten Kriterium. „Die Vereine benötigen dieses Wissen und diese Struktur, um zukünftige Anforderungen erfüllen zu können“, betont Florian Ondruschka, DEB-Cheftrainer Talent-/Vereinsbetreuung. Damit unterstreicht der Verband die Bedeutung einer systematischen Ausbildungsarbeit und einer klaren sportlichen Ausrichtung innerhalb der Vereine.
Fokus auf die jüngsten Jahrgänge
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den unteren Altersbereichen. Der Head of Coaches soll daher schwerpunktmäßig in den unteren Altersklassen bis U11, U13 oder U15 tätig sein. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Überzeugung, dass die Grundlagen einer erfolgreichen Entwicklung bereits in jungen Jahren gelegt werden. Hier sieht der Verband weiterhin großes Potenzial. Die Position soll daher bewusst nah an den jüngsten Spielerinnen und Spielern sowie deren Trainerteams angesiedelt werden. „Unser Ziel ist es, die Ausbildungsqualität insbesondere in den jüngeren Altersklassen flächendeckend weiter zu verbessern“, so Ondruschka.
Die ersten DEB-Lizenzen für den Lehrgang „Head of Coaches“ werden zur kommenden Saison 2026/2027 vergeben.





