Die erste Nominierung für eine Weltmeisterschaft wird er wohl nie vergessen: Erst am Sonntagabend bekam Marcus Weber die endgültige Zusage – am nächsten Morgen ging es dann direkt mit dem Bus Richtung Zürich. Für den 33-Jährigen ist es die erste WM-Teilnahme überhaupt – entsprechend groß ist die Vorfreude. Im Interview spricht er über den besonderen Moment der Nominierung, das langsam aufkommende WM-Gefühl und seine Ziele mit der Nationalmannschaft. Nach Rick Boehm, Benedikt Schopper und Len Soccio ist er der viertälteste DEB-Debütant bei einer WM.
Ihr seid am Montagnachmittag in der Schweiz angekommen – da war es keine 24 Stunden her, dass du erfahren hast, dass du bei der WM dabei sein wirst – hast du das alles schon verarbeiten können?
Marcus Weber: „Ja, ich bin gerade dabei. Am Sonntagabend nach dem Spiel habe ich erfahren, dass ich bei der WM dabei sein werde, und dann ging es Montagfrüh eigentlich direkt mit dem Bus Richtung Zürich. Das ging jetzt alles sehr schnell.“
Es ist deine erste WM-Teilnahme. Kannst du uns mal in den Moment mitnehmen, als dir Harry gesagt hat, dass du dabei bist?
Marcus Weber: „Das war direkt nach dem USA-Spiel in Mannheim. Viele von den Jungs mussten noch einmal zu den Trainern ins Zimmer kommen. Vor mir sind schon ein, zwei mit gesenktem Kopf rausgekommen – da war natürlich klar, dass sie leider nach Hause fahren müssen. Man weiß ja nie genau, wen es trifft. Ich war eigentlich trotzdem positiv gestimmt. Ich hatte in der Vorbereitung dieses Jahr eine etwas andere Rolle und hatte auch insgesamt ein gutes Gefühl. Harry hat mich dann gefragt, wie ich mein Spiel gegen die Amerikaner fand. Ich meinte, es war eigentlich ganz ordentlich. Dann hat er gesagt: „Nein, das war gut – und wir sehen uns morgen früh im Bus.“ Das ging alles ziemlich schnell. Ich dachte erst, wir sprechen noch länger über das Spiel. Deshalb war ich kurz etwas perplex. Aber natürlich war die Freude riesig, dass es dieses Jahr geklappt hat.“
Wem hast du als Erstes von deiner Nominierung erzählt?
Marcus Weber: „Zuerst habe ich versucht, meine Frau anzurufen, aber sie ist nicht rangegangen. Dann habe ich meine Eltern angerufen und ihnen davon erzählt – also waren sie es, die es als Erste erfahren haben.“
Wie fühlt es sich vor Ort an? Ist schon WM-Stimmung vorhanden oder seid ihr eher noch im Vorbereitungsmodus?
Marcus Weber: „Am Montag war es eigentlich noch relativ normal, weil wir nur angereist sind und im Hotel eingecheckt haben. Am Dienstag hatten wir dann aber schon das erste Training und da merkt man schon, dass es jetzt Richtung WM geht. Die Arena ist komplett hergerichtet, man sieht andere Nationalmannschaften und wir tragen schon die WM-Trainingstrikots. Da kommt das Weltmeisterschafts-Feeling schon langsam auf.“
Ist bis dato alles so, wie du es dir bei einer WM vorgestellt hast?
Marcus Weber: „Dafür ist es wahrscheinlich noch ein wenig zu früh. Unser Hotel liegt etwas außerhalb von Zürich, aber das ist völlig okay – wir konnten trotzdem schon etwas von der Stadt sehen. Die Arena ist wirklich top, ein sehr schönes Stadion. Die Jungs haben auch erzählt, dass wir im Vergleich zu anderen Jahren eine richtig gute Kabine erwischt haben. Ich denke, in den nächsten Tagen wird das WM-Gefühl noch stärker werden, wenn alle Teams da sind und die ersten Spiele bevorstehen.“
Dein Zimmerpartner Samuel Dove-McFalls ist ebenfalls zum ersten Mal bei einer WM dabei. Verbindet euch das zusätzlich?
Marcus Weber: „Ja, auf jeden Fall. Er hat sich das auch brutal verdient, gerade nach seiner starken Saison in Nürnberg. Natürlich war er auch froh, dass er nicht als einziger Nürnberger hier ist (lacht). Wir haben in den letzten Tagen schon öfter darüber gesprochen, da die Vorbereitung mit vier Wochen schon ziemlich lang ist. Umso schöner ist es, dass wir es beide geschafft haben.“
Es wird viel darüber gesprochen, dass du der viertälteste WM-Debütant des DEB bist. Wie siehst du das?
Marcus Weber: „Ich fühle mich ehrlich gesagt nicht wie 33. Wir haben in Nürnberg und auch hier eine junge Mannschaft und das hält mich automatisch auch jung. Das Alter ist am Ende nur eine Zahl. Vielleicht ist es sogar ganz gut, ein bisschen Erfahrung mitzubringen. Ich habe zwar noch keine WM gespielt, aber insgesamt schon viel im Eishockey erlebt und vielleicht kann ich der Mannschaft damit auch helfen.“
Der sportliche Anspruch des DEB ist klar formuliert: das Viertelfinale erreichen. Welche Ziele hast du persönlich?
Marcus Weber: „Ich möchte einfach meine Rolle bestmöglich ausfüllen. Wir haben noch Einzelgespräche mit dem Trainerteam, da wird alles noch genauer definiert. Für mich geht es darum, mein bestes Eishockey zu spielen und der Mannschaft zu helfen. Persönliche Ziele stehen für mich eher im Hintergrund. Im Eishockey zählt die Mannschaft am meisten.“
Die Schweiz ist nicht weit von der Heimat entfernt. Haben sich schon Freunde oder Familie angekündigt?
Marcus Weber: „Es kam natürlich alles ziemlich spontan. Aber ich denke schon, dass ein paar Freunde aus Garmisch rüberkommen werden. Mit Maxi Kastner und ein paar anderen haben wir seit Jahren eine WhatsApp-Gruppe und ich glaube, zwei, drei Jungs werden da sicher zu einem Spiel vorbeikommen. Bei der Familie weiß ich es noch nicht genau, aber ich denke schon, dass auch sie den Weg nach Zürich finden werden.“
Worauf freust du dich in den nächsten Tagen am meisten?
Marcus Weber: „Ganz klar auf die WM-Spiele. Vorher haben wir noch etwas Zeit die Mannschaft besser kennenzulernen. Wir trainieren noch einige Male zusammen und machen auch eine Teambuilding-Maßnahme. Aber die Spiele stehen natürlich im Vordergrund. Auf das erste WM-Spiel freue ich mich extrem – und danach schauen wir einfach von Spiel zu Spiel.“

