Die deutsche Männer-Eishockeymannschaft hat das dritte und gleichzeitig abschließende Gruppenspiel bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina verloren. Das Team von Bundestrainer Harold Kreis unterlag gegen die USA mit 1:5 (0:1, 0:2, 1:2). Damit beendet Deutschland die Vorrunde der Gruppe C auf Tabellenplatz zwei. Vor 11.497 Zuschauern in der Milano Santagiulia Ice Hockey Arena traf Tim Stützle für die deutsche Mannschaft mit seinem vierten Turniertor. Am Dienstag trifft das deutsche Männer-Team in der Viertelfinal-Qualifikationsrunde auf Frankreich. Der Sieger dieser Partie zieht in das Viertelfinale ein.
Im Vergleich zu den ersten beiden Vorrundenpartien nahm Bundestrainer Harold Kreis gegen die USA zwei Veränderungen im Aufgebot vor. Torhüter Maximilian Franzreb stand von Beginn an zwischen den Pfosten, dafür nahm Philipp Grubauer als Backup auf der Bank Platz. Außerdem rückte Parker Tuomie für Wojciech Stachowiak in den Angriff und in eine Reihe mit Marc Michaelis und Dominik Kahun.
Franzreb wurde gleich in der 2. Minute gefordert, hielt gegen Matt Boldy aber stark. Im Anschluss entwickelte sich ein temporeiches Spiel, in dem Deutschland mutig mitspielte. Der erste Torschuss ging auf das Konto von Lukas Reichel, der US-Goalie Connor Hellebuyck in der 5. Minute in der kurzen Ecke überlisten wollte. Den nächsten Aufreger gab es, als die deutsche Mannschaft in Unterzahl agierte. Tobias Rieder setzte hier gut nach und brachte die Scheibe aufs Tor (8.), fast im Gegenzug parierte Franzreb gegen Jake Guentzel (9.). Das deutsche Team fand immer besser rein und erarbeitete sich sogar längere Puckbesitzphasen. In der 14. Minute stand aber Matthew Tkachuk wieder frei vor Franzreb, der deutsche Goalie war mit der nächsten Parade zur Stelle. Es folgten die bis dahin besten Minuten des deutschen Männer-Teams. Die größte Chance hatte Lukas Kälble in der 17. Minute, der toll freigespielt wurde. Danach zog Moritz Seider zweimal gefährlich aus der Distanz ab (18.). Es deutete sich ein Remis nach dem ersten Drittel an – bis Verteidiger Zach Werenski neun Sekunden vor der Pause durch die Beine von Seider zur Führung für die USA einschoss.
Zu Beginn des zweiten Drittels bekam Deutschland gleich die Gelegenheit im Powerplay, allerdings wäre Dylan Larkin fast der Shorthander gelungen. Der US-Stürmer scheiterte aber an Franzreb (22.). In der 24. Minute zog Jack Eichel, der von der Strafbank kam, eine Strafe gegen Kai Wissmann. Das folgende Überzahlspiel nutzte Auston Matthews zum 2:0 für den amtierenden Weltmeister (24.). Die USA erhöhte jetzt das Tempo, aber Deutschland hielt die Räume weiter eng. Und im nächsten Powerplay ergaben sich Möglichkeiten. JJ Peterka, Tim Stützle und Seider deckten Hellebuyck mit Schüssen ein (27./28.). Die US-Amerikaner agierten aber etwas zwingender, doch Franzreb blieb ein starker Rückhalt. In einem 3-auf-2-Konter über Peterka, Stützle und Kälble wäre in der 35. Minute mehr drin gewesen für die deutsche Auswahl. Zwei Minuten vor der zweiten Sirene erhöhte dann leider Brock Faber für die USA weiter. Sein Schuss von der blauen Linie landete unglücklich im deutschen Tor (38.).
Die Anfangsphase des Schlussdrittels gehörte Deutschland. Stützle verzog den nächsten Konter ganz knapp (42.). Die USA blieb effektiver und Tage Thompson netzte direkt mit der nächsten Aktion in der 42. Minute humorlos und trocken zum 4:0 ein. Die US-Mannschaft zog nun davon. Matthews parkte vor dem Tor ein und machte seinen Doppelpack perfekt. Das deutsche Team probierte es trotzdem weiter und hielt dagegen. Ein Schuss von Seider rutschte noch vorbei (51.), aber in der 52. Minute verzögerte Stützle nach schöner Vorarbeit von Peterka lange und platzierte die Scheibe dann genau im Kreuzeck. Kurz darauf wäre auch ein zweites Tor noch möglich gewesen, weil Kai Wissmann noch einmal für Gefahr vor Hellebuyck sorgte. Letztlich blieb es beim insgesamt verdienten Sieg der USA.
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Bundestrainer Harold Kreis: „Die Amerikaner haben heute wirklich sehr gut gespielt. Trotzdem waren wir im ersten Drittel absolut ebenbürtig – das waren wahrscheinlich unsere besten 20 Minuten im ganzen Turnier. Danach hat man gemerkt, dass die USA im zweiten Drittel nochmal einen Gang hochgeschaltet haben. Wir haben dann mit der Scheibe ein paar Entscheidungen getroffen, die nicht optimal waren, und dadurch standen wir dauerhaft unter Druck. Im letzten Drittel sind wir wieder zu einer einfacheren Spielweise zurückgekehrt: Scheiben tief, schneller in der Bewegung – so, wie wir es uns vorgenommen hatten. Was wir definitiv aus dieser Partie mitnehmen, ist das gute erste Drittel – das ist der Standard, mit dem wir auch gegen Frankreich auftreten wollen. Wir Trainer suchen nicht nur die negativen Aspekte – wir wissen, dass in uns deutlich mehr steckt, als wir heute über 60 Minuten gezeigt haben.“
Assistenzkapitän Moritz Seider: „Wir hatten ein sehr starkes erstes Drittel, zumindest bis auf die letzten achteinhalb Sekunden. Aber ich würde nicht sagen, dass das der Knackpunkt war. Im zweiten Drittel sind wir einfach von unserer Struktur weggegangen, das hat man deutlich gesehen. Ob es Müdigkeit war oder Unkonzentriertheit, weiß ich nicht, aber positiv war wieder einmal unser Start. Das zieht sich durch das ganze Turnier: Sobald der Puck fällt, sind wir direkt da. Dann hatten wir aber ein paar einfache, unnötige Scheibenverluste. Da hat man gemerkt, dass wir es teilweise mit der Brechstange erzwingen wollten. Wir müssen wieder zurück zu unserem einfachen Spiel: Scheiben tief, hinter die Verteidiger, Wechsel für Wechsel das Richtige tun. Dann kommen die Chancen automatisch, weil die Amerikaner und auch kommende Gegner irgendwann frustriert werden.“
Stürmer Marc Michaelis: „Wir hatten ein wirklich gutes erstes Drittel. Kurz vor der Pause das Gegentor zu kassieren, war natürlich unglücklich. Im zweiten Drittel haben wir den Amerikanern dann einfach zu viele Chancen gegeben und lagen folgerichtig 0:3 zurück. Im letzten Drittel kamen wir eigentlich gut raus, wir wollten nochmal unser Bestes geben – aber die Amerikaner sind eine starke Mannschaft. Sobald wir ihnen etwas Raum gegeben haben, wurde es sofort ausgenutzt. Am Ende war das Ergebnis leider eindeutig, was sehr frustrierend ist. Doch wir müssen den Kopf nun hochnehmen und uns intensiv auf den nächsten Gegner in der Qualifikationsrunde vorbereiten.”
