Wer eine Sportart, ein Team oder einzelne Athletinnen und Athleten weiterentwickeln möchte, benötigt mehr als nur Leidenschaft: Es braucht kompetente Trainerinnen und Trainer mit Fachkenntnissen, sozialer Kompetenz und dem Blick für das große Ganze.
Deshalb ist es dem Deutschen Eishockey-Bund e.V. (DEB) mit Bundestrainer Wissenschaft & Ausbildung Karl Schwarzenbrunner und seinem Team enorm wichtig, interessierten Anwärtern und Anwärterinnen ein fundiertes Komplettpaket mit auf den Weg zu geben. Neben interner Weiterentwicklung und Fortbildung, bestehen wertvolle externe Kooperationen, die es den DEB-Ausbildern ermöglichen, Innovationen fortlaufend im Blick zu behalten und weiterzugeben.
Neben der C- bis A-Trainer Lizenzierung und den zahlreichen Weiterbildungsangeboten, liegt Karl Schwarzenbrunner die Ausbildung zum Torwarttrainer bzw. -Trainerin am Herzen – ein Bereich, der laut Karl Schwarzenbrunner teilweise unterschätzt wird:
„Die Torwartposition ist eminent wichtig – und damit auch die Trainerrolle in diesem Bereich. Vor allem im Nachwuchs können hier entscheidende Grundlagen gelegt werden. Viele Vereine arbeiten aktuell mit Honorartrainern oder unregelmäßigen Einheiten – unsere Ausbildung soll Bewusstsein für die Bedeutung dieser Position schaffen und einen Anstoß liefern, nachhaltige Strukturen im Verein aufzubauen.“
Im Rahmen des Fünf-Sterne-Programms wird die Rolle des Torwarttrainers daher gezielt gefördert – und mit Punkten belohnt.
Inhalte & Schwerpunkte der Ausbildung
Die Anforderungen an Torhüter und Torhüterinnen im Eishockey sind enorm. Jeder Fehler ist sichtbar, jeder Puck kann das Spiel entscheiden. Umso wichtiger sind Trainerinnen und Trainer, die nicht nur technische Expertise mitbringen, sondern auch mentale Stärke vermitteln. Hier setzt die Torwarttrainer-Ausbildung des DEB an: kompakt, praxisnah und spezialisiert – für alle, die sich gezielt der Arbeit mit Torhütern und Torhüterinnen widmen möchten.
Jan Kamenik, ehemaliger Goalie und langjähriger Ausbilder im DEB:
„Man kann 59 Minuten lang überragend spielen – und wenn am Ende zwei Pucks durch die Beine rutschen, bleibt genau das hängen. Diese mentale Belastung macht die Position so besonders. Und deshalb benötigen wir nicht nur Trainer, die die Techniken vermitteln, sondern Torhütern auch helfen, mit Druck und Fehlern umzugehen.“
Der Lehrgang beginnt mit den Grundlagen der Trainingsplanung und der Analyse des Umfelds, bevor es gezielt in die Spezialisierung geht. Im Mittelpunkt stehen die Techniken und Taktiken des modernen Torwartspiels, Positionsspiel und die situative Anpassung an das Geschehen auf dem Eis. Hinzu kommt der athletische Bereich, der eng mit dem Mannschaftstraining verzahnt ist. Entgegen der Erwartung vieler gibt es dabei keine völlig losgelöste Trainingsphilosophie für Torhüter. Jan Kamenik betont:
„Torhüter profitieren genauso vom allgemeinen Athletiktraining. Zusatzangebote sind sinnvoll – aber im Kern sollte die Einbindung ins Teamtraining gegeben sein.“
Zugangsvoraussetzungen
Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausbildung haben selbst als Goalie gespielt. Laut Jan Kamenik ist das zwar keine zwingende Voraussetzung, aber ein Vorteil:
„Wir steigen auf einem Niveau ein, bei dem es hilft, die Position selbst erlebt zu haben. Es gibt aber auch immer wieder Mannschaftstrainer, die sich für die Arbeit mit Torhütern spezialisieren wollen –dafür ist dieser Lehrgang auch in Ausnahmefällen offen. Das Niveau der Teilnehmenden ist dabei breit gefächert – von ehemaligen Profis wie Danny aus den Birken, Silbermedaillengewinner und langjähriger DEL-Spieler, bis hin zu Trainern, die zwar selbst im Tor gestanden haben, aber seit Jahren nicht mehr aktiv im Eishockey arbeiten.“
Warum ist der C-Trainerschein Voraussetzung?
Eine häufige Frage: „Warum brauche ich den C-Schein für die Torwarttrainer-Ausbildung?“
Die Antwort liegt in der Systematik: Der C-Trainerschein vermittelt grundlegende Inhalte wie Didaktik, Methodik und Trainingsplanung – und genau darauf baut die Spezialisierung auf.
„Wir starten nicht bei Null. Unser Fokus liegt zu hundert Prozent auf der Torhüterposition – darum ist die vorherige Basis so wichtig“, erklärt Kamenik.
Ablauf der Ausbildung
Die Ausbildung besteht aus vier intensiven Präsenztagen, gefolgt von:
- Lehrprobe
- Verpflichtenden Hospitationen bei erfahrenen Torwarttrainern und -trainerinnen
- Kontinuierlichem Austausch in einem starken Netzwerk
Mittlerweile sind über 120 Torwarttrainerinnen und -trainer im Netzwerk über gemeinsame Gruppen und regelmäßige Online-Meetings miteinander verbunden.
„Die eigentliche Qualität entsteht nicht nur in vier Tagen – sondern durch Austausch, Reflexion und ein gemeinsames Verständnis. Wir lernen beispielsweise von Finnland oder Nordamerika, aber wir entwickeln unsere eigene deutsche Schule – angepasst an unsere Gegebenheiten.“
Ausbilder Jan Kamenik beim On-Ice-Coaching
Weitere Themenschwerpunkte der Torwarttrainer-Ausbildung
Viona Harrer, ehemalige Nationalspielerin und DEB-Referentin bringt in die Torwarttrainer-Ausbildung drei zentrale Themen ein: Rush Management, Traffic Management und die Leistungsbeurteilung von Torhütern. Dabei geht es vor allem darum, die Trainerinnen und Trainer auf die operative Arbeit im Verein vorzubereiten.
„Mir ist wichtig, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Ende nicht nur wissen, was diese Schwerpunkte bedeuten, sondern dass sie in der Lage sind, Trainingseinheiten gezielt zu planen und auch praktisch durchzuführen, wenn sie zurück in ihre Vereine gehen“, so Harrer.
Rush- und Traffic Management
Harrer erklärt: „Im theoretischen Teil erarbeiten wir gemeinsam, was man unter Rush Management und Traffic Management versteht, und wie diese Themen in die Trainingsplanung eingebaut werden können. Anschließend entwickeln die Teilnehmer in Gruppen eigene Trainingspläne. Diese werden dann direkt auf dem Eis umgesetzt. In der Praxis zeigt sich oft, dass Dinge, die in der Theorie logisch klingen, ganz neue Fragen aufwerfen. Genau darum ist es mir wichtig, dass die Teilnehmenden die Übungen selbst anleiten. Wir analysieren und beobachten, geben Feedback und Tipps dazu, wie sich Übungen steigern oder anpassen lassen.“
Leistungsbeurteilung von Torhütern
Viona Harrer weiter: „Ein zweiter Schwerpunkt ist die Einschätzung und Beurteilung von Leistungen. Das ist nicht immer einfach, denn Bewertungen sind oft subjektiv. Dabei geht es nicht nur um ein Schema, sondern auch um die Frage, worauf ein Torwarttrainer oder eine Torwarttrainerin überhaupt achten sollte und welche Methoden sich eignen. Die Diskussion ist immer sehr spannend, weil jeder etwas andere Schwerpunkte setzt. Am Ende ist es aber genau dieser Austausch, der uns weiterbringt.“
Theorie trifft Praxis
Die Verbindung von Theorie und Praxis ist fester Bestandteil der Ausbildung. Während auf dem Eis die Torhüter und Torhüterinnen trainiert werden, richtet sich der Blick der Ausbilder auf die Trainerinnen und Trainer: Wie leiten sie an? Wie strukturieren sie ihre Übungen? Wo könnte man nachjustieren?
„Unser Ziel ist es, dass die Trainer nicht nur wissen, was sie tun, sondern auch verstehen, wie sie es vermitteln. Theorie alleine reicht nicht – auf dem Eis zeigt sich, wie gut eine Übung wirklich funktioniert. Und nur wenn sie funktioniert, kann das am Ende auch zum gewünschten Erfolg führen.“
Referentin Viona Harrer auf dem Eis mit Trainer-Anwärtern
