Frank Hördler im Interview: „Wenn das Feeling von Olympia hinzukommt und die Motivation, kann man immer über sich hinauswachsen“

124 Mal streifte er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft über. Der gebürtige Bad Muskauer verbucht auf seinem internationalen Karriere Konto neun Weltmeisterschaften, darunter den vierten Platz bei der Heim-WM 2010, zwei Olympische Qualifikationsturniere und die Silbermedaille von 2018 in Pyeongchang. Im Interview spricht er über das Olympia-Knistern und die Vorfreude, als Athlet Teil der Olympischen Winterspiele zu sein und verrät, was er sich jetzt noch einmal wünschen würde.

Olympia steht vor der Tür, da fragen wir uns natürlich, wo bewahrt Frank Hördler seine Silbermedaille auf?

Frank Hördler (lacht): Ich sage es mal so, sie ist an einem sicheren Ort. Wo genau, dass möchte ich nicht verraten.

Lass uns auf die letzten Olympischen Winterspiele zurückblicken. Wie hast du die Spiele 2018 in Pyeongchang als Athlet wahrgenommen?

Frank Hördler: In erster Linie war es natürlich die erste Olympiade für mich. Es war wirklich ein riesiges Event. Nach dem Auswärtsspiel der Eisbären Berlin sind wir Berliner mit einem Leihwagen nach Füssen gefahren und haben uns dort mit den anderen Jungs getroffen. Schon dort waren das Knistern und die Vorfreude bei allen zu spüren. Wir haben uns als Mannschaft auch Zeit gelassen, sind relativ zeitig nach Korea geflogen und konnten so einfach alles mitnehmen. Da wir erst später gespielt haben, konnten wir uns in Pyeongchang vieles ansehen. Ich kann an der Stelle sagen, dass Olympia 2018 ein rundum gelungenes Event für uns und für mich als Athlet war.

Du hast in deiner Karriere schon viele Meilensteine erreicht. Du warst bester Verteidiger der DEL-Saison 2014/15, hast 2010 die European-Trophy gewonnen und letzte Saison die achte Meisterschaft mit den Eisbären Berlin geholt. Wie ordnest du die Olympia-Teilnahme und den Gewinn der Silbermedaille da ein?

Frank Hördler: Das ist eine wirklich sehr gute Frage. Natürlich ist der Stellenwert, aufgrund des Erfolgs und dass wir dann noch Silber geholt haben, in die Kategorie ganz oben mit einzuordnen. Ich möchte keine Meisterschaften oder andere Erfolge schmälern. Sicherlich ist Olympia noch ein extra Highlight, weil ich es nur einmal erlebt habe und es ist die olympische Silbermedaille, deshalb steht die schon ganz oben.

Und nach was schmeckt so eine Medaille eigentlich?

Frank Hördler (lacht): Schwierig zu sagen, ich habe ja nicht mehr meine eigenen Zähne, deshalb kann ich auch nicht wirklich sagen wie hart das Metall ist. Umso länger ich darüber nachdenke, desto besonderer ist es, was wir da als Team geschafft haben. Nicht nur die Spieler, sondern halt die ganze Gruppe, die vor Ort war. Es war ein super Charakter in der Mannschaft, bei den Physios, Betreuern und Coaches. Wir waren eine eingeschworene Truppe. Es hat einfach Spaß gemacht und war wirklich toll.

Marcel Goc hat uns verraten, dass ihr ziemlich oft im Deutschen Haus zu Gast wart und uns eine seiner Anekdoten anvertraut. An welchen lustigen Moment erinnerst du dich noch ganz genau?

Frank Hördler: Oh, da gibt es wirklich viele und wir waren in der Tat oft im Deutschen Haus. Es war dort auch einfach immer am lustigsten, weil jeder richtig feiern konnte. Ich muss trotz alle dem aber immer wieder über Yannick Seidenberg schmunzeln. Der hatte so seine paar Minuten, wo er jedem oben am Hemd seine Tasche abgerissen hat. Irgendwann kamen dann aber mal die Bobfahrer rein. Das waren ja schon etwas größere und stärkere Jungs und da wollte er einem gerade so an die Tasche fassen. Der hat aber nur schief geguckt und meinte „Lass es lieber“. Das war wirklich eine lustige Szene mit anzusehen.

Du bist in der DEL weiterhin aktiv und hast mit Noebels, Pföderl und Müller auch noch Jungs in der Mannschaft, die bei Olympia 2018 mit dabei waren. Tauscht ihr euch über die Zeit vor vier Jahren immer noch aus?

Frank Hördler: Absolut! Es gibt immer mal wieder so Momente, wo wir darauf zurückkommen und uns wieder daran erinnern und sagen „Weißt du noch?“. Das Schönste wäre natürlich, wenn wir nach 10 oder auch 15 Jahren eine Art Revival hätten, bei dem sich die ganze Truppe wiedersieht und wir gemeinsam einen schönen Abend verbringen.

Die deutsche Herren-Nationalmannschaft hat sich bei der letzten Weltmeisterschaft in Riga und dem Deutschland Cup 2021 stark präsentiert. Was traust du dem Team in Peking zu?

Frank Hördler: Ich traue der Mannschaft ganz viel zu. Ich glaube auch, dass es in den letzten Jahren eine kontinuierliche Steigerung gab. Das Eishockey, das die deutsche Nationalmannschaft spielt, ist wirklich sehr schön anzuschauen. Viel Kontrolle mit dem Puck. Viele technisch versierte Spieler und läuferisch gute Spieler. Es ist irgendwie jedes Spiel auf Augenhöhe und immer möglich zu gewinnen. Das macht die Mannschaft wirklich sehr gut und deswegen ist bei Olympia auch alles möglich. Ich denke, so wie Toni Söderholm die Jungs eingestellt hat und wie er sie spielen lässt, geben sie sich selbst in jedem Spiel die Möglichkeit zu gewinnen. Wenn das Feeling von Olympia hinzukommt und die Motivation, kann man immer über sich hinauswachsen.

Das lassen wir doch mal so stehen und sagen vielen Dank Frank Hördler für das Gespräch!