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DEB-Team richtet nach Unterbrechung der WM-Vorbereitung den Blick nach vorn

Nach einigen unruhigen Stunden und einem insgesamt turbulenten Tag hatte Christian Künast am Mittwoch schon wieder den Blick nach vorne gerichtet auf das immer näher rückende WM-Turnier in Riga. „Dass es nicht einfach wird, wussten und wissen wir. Vor allen Spielern und auch den Staffmitgliedern, die hier sind, vor ihnen allen haben wir Respekt“, sagte der DEB-Sportdirektor etwa 24 Stunden, nachdem der auffällige Schnelltest bei Assistenzcoach Matt McIlvane bekannt geworden war. Künast fügte mit Zuversicht an: „Ich glaube, es wird eine interessante WM, wir freuen uns sehr darauf und sie hat absolut auch sportlichen Wert. Es ist ein Saisonhöhepunkt.“

Sofort nach den Entwicklungen am Dienstagmorgen hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes e.V. die notwendigen Konsequenzen gezogen. Es gab kein Eistraining, alle Maßnahmen wurden, soweit möglich, ins Hotel verlegt. Alle Mitglieder des DEB-Trosses verblieben auf den Zimmern, wo auch die Mahlzeiten eingenommen wurden. Auch am Mittwoch beschäftigte sich das DEB-Team um Kapitän Moritz Müller ausschließlich in ihren Räumlichkeiten. „Natürlich ist keiner begeistert, aber alle nehmen die Situation positiv an“, schilderte Künast die Stimmungslage, „die Spieler kommen aus Umständen, wo sie sich schon viel zurückhalten mussten.“ Es gebe aber „viel Programm. Sie haben Online-Training in verschiedenen Gruppen, sie haben Taktikschulungen. Sie gehen verschiedene Themen durch und sind sehr, sehr beschäftigt.“

Auf coronabedingte Ausfälle ist man beim DEB vorbereitet – nicht nur bei den Spielern. Auch beim Trainerteam gibt es Alternativpläne für solche Fälle, aktuell steht die WM-Teilnahme von McIlvane aber nicht auf der Kippe. Doch grundsätzlich soll die Aufmerksamkeit so schnell wie möglich wieder den sportlichen Themen gelten. Und dabei hoffen alle Beteiligten zunächst, dass sich für die beiden Testspiele am Freitag und Samstag gegen Belarus (17.00 Uhr bzw. 15.45 Uhr/MagentaSport und SPORT1) keine gesundheitliche Gefährdung ergibt, sind es doch die beiden letzten geplanten Standortbestimmungen vor dem WM-Auftakt am 21. Mai gegen Italien (15.15 Uhr/SPORT1). „Stand jetzt können die Testspiele ganz normal stattfinden. Sollte sich daran etwas ändern oder etwas abzeichnen, dann werden wir darauf reagieren“, sagte Künast.

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Läuft alles störungsfrei und zeigen die Tests am Mittwoch keine Auffälligkeiten, kann am Donnerstag wahrscheinlich auf dem Eis trainiert werden. Es wäre dann der einzige Tag in der ARENA NÜRNBERGER Versicherung, der vor den Länderspielen Nummer fünf und sechs zur Verfügung stünde. Künast sieht andererseits die jüngsten Fortschritte nicht unmittelbar gebremst, er wünscht sich nur, dass sich die DEB-Auswahl auch einmal belohnt, nachdem es bisher noch nicht zu einem Erfolg gereicht hat. „Es ist gut gearbeitet worden, wir haben eine Mannschaft gesehen, die sich von Spiel zu Spiel gesteigert hat und sehr engagiert war“, merkte der 50-Jährige an. Das „gute Gefühl“ eines Sieges soll dann auch beim eigentlichen Ziel helfen: „Entscheidend ist, dass wir am 21. Mai parat und bereit sind.“

Wie viele NHL-Profis oder generell Akteure aus Nordamerika das DEB-Team dann unterstützen können, vermag Künast noch nicht mit Gewissheit vorherzusagen. „Man muss es immer ein bisschen individuell regeln. Der Optimalfall ist, dass die Spieler zum 11. Mai nach Nürnberg kommen, dann würden sie mit uns am 15. Mai nach Riga fliegen. Für alle anderen Szenarien gibt es Regularien, das ist noch nicht final geklärt“, berichtete Künast über Spieler wie Tobias Rieder (Buffalo Sabres), Tim Stützle (Ottawa Senators) oder Tom Kühnhackl, Leon Gawanke und Lean Bergmann (alle AHL), die infrage kommen.

Sehr, sehr gering sei die Chance bei all jenen wie Leon Draisaitl, Dominik Kahun (beide Edmonton Oilers) oder Nico Sturm (Minnesota Wild), die in der NHL vor der Play-off-Teilnahme stehen: „Da sind wir realistisch.“ Geplant wird laut Künast dagegen mit Moritz Seider (Rögle BK/Schweden), „wenn er gesund ist, rechnen wir mit ihm.“ Der Verteidiger kämpft aktuell noch um den Meistertitel in der schwedischen Liga. „Moritz hat Bereitschaft signalisiert“, sagte Künast, „ich bin guter Dinge, dass er spätestens zum zweiten oder dritten WM-Spiel einsatzbereit ist.“