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Russland-Legionär Korbinian Holzer: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich Einfluss haben will“

Für die Aussicht, mit einem der größten Spieler der Eishockey-Gegenwart gemeinsam auf dem Eis zu stehen, nahm Korbinian Holzer auch die teils arktischen Temperaturen im russischen Winter gern in Kauf. „Es ist für mich wirklich eine Ehre, mit ihm zusammenspielen zu dürfen“, sagt der Nationalspieler über Pavel Datsyuk, den hoch dekorierten russischen Star bei Avtomobilist Jekaterinburg, der auch mit 42 Jahren „immer noch ein Unterschiedsspieler ist. Er hat eine Ausstrahlung auf dem Eis, vor der die Gegner brutalen Respekt haben.“ An der derzeit extrem frostigen Grenze zwischen Europa und Asien, nicht weit vom Ural-Gebirge entfernt, macht Holzer auch wegen Datsyuk gerade „eine sehr gute und spannende Erfahrung.“

Nach zehn Jahren in Nordamerika mit viel Auf und Ab zwischen NHL und AHL ist der routinierte Verteidiger insbesondere froh darüber, in der stark russisch geprägten Kontinental Hockey League (KHL) regelmäßig spielen zu können. „Mir macht es brutal viel Spaß, ich habe viel Eiszeit und eine wichtige Rolle in der Mannschaft“, sagt der gebürtige Münchner, der deshalb auch nicht besonders wehmütig in Richtung Übersee blickt: „Ich vermisse die NHL im Großen und Ganzen nicht. Ich will zwar keine Sekunde missen, der Kampf um einen Platz in der NHL hat auch riesig Spaß gemacht, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich wirklich Einfluss haben und vielleicht auch mal einen Titel gewinnen will.“

Seit Dezember spielt der seit heute 33-Jährige beim KHL-Team in der viertgrößten Stadt Russlands, nachdem er zuvor noch den Deutschland Cup mit der Nationalmannschaft bestritten hatte. Holzer hat sich gut eingelebt, mag die Hilfsbereitschaft der Menschen und die Auswahl an guten Restaurants. Nur ausgedehntes Spazieren gehen ist bei manchmal um die minus 30 Grad Celsius im Moment keine so gute Idee. „Viel Zeit draußen zu verbringen, ist gerade nicht angesagt, es ist bitterkalt“, erzählt Holzer, „das war am Anfang schon extrem, mittlerweile gewöhnt man sich dran, aber man muss schon aufpassen.“

Mit seinem Team befindet sich 211-malige NHL-Spieler mitten im Kampf um die Play-off-Ränge, die Qualifikation ist schon erreicht, in den wenigen verbleibenden Hauptrundenspielen geht es ab Dienstag allein um die Ausgangsposition. „Es ist brutal eng von Platz fünf bis zu Platz acht“, berichtet Holzer, dessen persönlich gute Leistungen kürzlich auch von der Liga honoriert worden waren, als der Deutsche im Januar einmal als bester Verteidiger der Woche ausgezeichnet wurde. Für Holzer, ganz der Teamplayer, ein netter Nebeneffekt: „Es ist natürlich schön, aber für mich zweitrangig. Wichtig ist für mich der Mannschaftserfolg.“

Und diese Mannschaft hat einiges an Qualität zu bieten. Da ist nicht nur Datsyuk, als Weltmeister, Stanley-Cup-Champion und Olympiasieger ein Mitglied im sogenannten Triple-Gold-Club, auch der turmhohe Verteidiger Nikita Tryamkin, der tschechische Torhüter Jakub Kovar oder der kanadische Angreifer Peter Holland, mit dem Holzer in seiner Zeit in Toronto in einem Team stand, haben viel zu bieten – und nicht zuletzt Olympia-Silberheld Brooks Macek, der seit 2019 in Jekaterinburg spielt und mit Holzer die WM 2016 für den DEB bestritt. „Es ist immer leichter, wenn jemand da ist, den du kennst“, findet Holzer, „aber ganz allgemein haben wir wirklich eine gute Truppe.“

So gut, dass Holzer es nicht ausschließt, länger zu bleiben als diese eine Saison, die im April endet. Aber dabei kommen nicht nur rein sportliche Faktoren ins Spiel, auch die Nähe zur Familie wird bei der Entscheidung maßgeblich sein. „Ich bin nicht abgeneigt noch hier zu bleiben, man wird sehen. Eine Prognose abzugeben, fällt mir schwer“, sagt er und dies hat auch mit den aktuell schwierigen Umständen in der Corona-Pandemie zu tun: „Ob es künftig wieder leichter wird und man zumindest nach Hause fliegen kann, das spielt auch eine Rolle.“ Dass es nochmal in die NHL geht, kann Holzer sich eher nicht vorstellen, viele weitere Einsätze für die Nationalmannschaft dagegen schon. „Für mich ist es immer eine Ehre, wenn ich eingeladen werde“, sagt er. Die WM in Riga wäre die nächste Gelegenheit.