Historischer Viertelfinal-Einzug für U20: „Der Glaube hat uns getragen“

Nach ihrem historischen Erfolg sang die deutsche U20-Nationalmannschaft überwältigt die Hymne mit und war einfach voller Glücksgefühle. „Es war sehr schwierig mit all den Umständen, aber wir sind unglaublich zusammengewachsen“, sagte U20-Bundestrainer Tobias Abstreiter nach dem verdienten Einzug in die K.o-Phase, „der Glaube hat uns jetzt auch ins Viertelfinale getragen.“ Erstmals überhaupt glückte einer deutschen U20 bei einer WM der Sprung unter die letzten Acht und nach den Problemen seit der Ankunft in Kanada ist dieser umso höher zu bewerten.

„Nachdem wir nur noch 14 Feldspieler hatten, hat uns so gut wie jeder abgeschrieben“, sagte Kapitän Tim Stützle, der gemeinsam mit John Peterka beim 5:4 gegen die Schweiz den Unterschied ausmachte. Der künftige Profi der Ottawa Senators führte aus, dass jeder seine Rolle akzeptiert habe, schlau gespielt habe. „Wir wollten die ganze Situation nicht als Ausrede sehen“, sagte Stützle, „sondern nur unseren Job machen.“ Dies gelang so überzeugend, dass auch DEB-Präsident Franz Reindl am Silvestertag prompt einen dicken Glückwunsch über den Teich schickte: „Das Jahr könnte nicht schöner enden. Ein ganz großes Kompliment auch nach all den schlechten Vorzeichen. Es ist wirklich eine fantastische Leistung.“

Deren Grundstein legte das Abstreiter-Team schon beim bravourösen Auftritt gegen Finnland (3:5) und zählbar dann beim Overtime-Sieg gegen die Slowakei, als Verteidiger Mario Zimmermann das entscheidende 4:3 erzielte. So eröffnete sich erst die Chance, die Gruppe A als Tabellendritter abschließen zu können. Und gegen die Eidgenossen war letztlich das herausragend effektive erste Drittel mit zwei Toren von Peterka und einem von Stützle maßgeblich. „Ich bin so stolz auf die Mannschaft, es ist so besonders, weil wir alle so gut zusammenarbeiten. Wir haben das total verdienet und ich kann das Viertelfinale kaum erwarten“, sagte Stützle, der mit Peterka nun zu den besten drei Scorern des gesamten Turniers zählt.

Groß war die Freude aber auch über die beide spielfreien Tage, die der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes e.V. nach den zurückliegenden Strapazen sehr gelegen kamen. Am 2. Januar 2021 steigt das Viertelfinalduell sozusagen als eine Art Neujahrsgeschenk, den Gegner – Russland oder die USA – erfuhr das Team in der Silvesternacht. Und nach dem jetzt Erreichten kann das Abstreiter-Team ohnehin nur noch gewinnen, getragen von einer enormen Begeisterung und ihrem Leitspruch „Why not us?“ – „Warum nicht wir?“. Eine Idee, die Headcoach Abstreiter hatte – und die auf T-Shirts ihren optischen Ausdruck fand. „Es ist ein großartiges Symbol, immer an sich und die Identität zu glauben“, sagte Abstreiter. Interims-Sportdirektor Christian Künast ergänzte: „Unser Weg geht weiter, wir sind noch nicht am Ende.“

Freilich gab dem Team auch die Rückkehr von fünf Feldspielern einen Schub und neue Energie. Maksymilian Szuber, Lucas Flade, Filip Reisnecker, Josh Samanski und Markus Schweiger schufen mit ihrem Einsatz die Möglichkeit, die Eiszeit etwas besser zu verteilen und nicht zuletzt auch die Top-Reihe mit Stützle, Peterka und dem nimmermüden Florian Elias zu entlasten. „Es war extrem wichtig, dass wir wieder mehr Spieler dahatten. Sie hatten zwar nur zwei Trainings, aber haben richtig hart gearbeitet, dass sie so schnell zurückkommen können“, sagte Stützle und resümierte auch deshalb berechtigterweise: „Jeder hat seinen Anteil an diesem Erfolg, nicht nur das Team, auch alle drumherum. Jeder hat geholfen, wo er konnte.“