Die olympischen Gruppengegner unseres Nationalteams: USA – Fluch oder Segen?

Eigentlich ist es nicht fair. Die Frage ‘Fluch oder Segen?’ stellt sich fast nicht. Aber so ist es nun mal mit außergewöhnlichen Ereignissen. Sie werden besprochen, erwähnt, nachgespielt, ausgeschlachtet bis, ja bis wann eigentlich? Bis sie nicht mehr außergewöhnlich sind? Bis es wenigstens ein zweites derartiges Ereignis gab? Können sich Wunder eigentlich wiederholen?

Sportfans (fast) jeden Alters wissen sicher seit dem ersten Satz, worauf wir hier anspielen. Und wenn Ihr es noch nicht wisst, dann klären wir Euch selbstverständlich auf. Es geht ums Miracle. Um das einzig wahre „Miracle on Ice“. Das ist die Geschichte, bei der 20 unbekannte Eishockeyspieler von verschiedenen US-amerikanischen Colleges bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid (New York, USA) die Goldmedaille gegen das damals übermächtige sowjetische Team gewannen.

Seitdem wird immer wieder, wenn das olympische Eishockeyturnier ansteht, daran erinnert, darüber gesprochen und natürlich muss jeder US-amerikanische Eishockeyspieler, der für den Olympiakader in Frage kommt, die Story kennen und mindestens fünf Spielernamen plus dem legendären Coach Herb Brooks. So unsere Vermutung…

Geholfen haben diese Geschichtsstunden bis heute eher weniger. Einen weiteren Olympiasieg konnten die USA im Männereishockey seit Lake Placid nicht feiern. Zweimal, 2002 in Salt Lake City und 2010 in Vancouver, waren sie nah dran an der Goldmedaille. Zweimal unterlagen sie dem nördlichen Nachbarn Kanada. Insgesamt liegen die Eishockeyteams der Vereinigten Staaten trotzdem auf Rang 3 im ewigen Olympia-Eishockey-Medaillenspiegel der Männer. Zwei Gold-, acht Silbermedaillen und eine bronzene Plakette stehen für sie zu Buche.

Was also tun, wenn die NHL-Spieler nicht dabei sein können? Richtig, die USA beschwören den Geist von 1980 und wahrscheinlich wird uns dieser Satz bis zum Ende des Turniers so richtig zu den Ohren herauskommen. Aber die Verantwortlichen um Ex-NHL-Goalie-Legende John Vanbiesbrouck (General Manager) und Ex-New York Rangers Headcoach David Quinn (Cheftrainer) machten aus der Not eine Tugend.

Fünfzehn von den 25 nominierten Spielern sind derzeit in der College-Liga NCAA unterwegs. Dreizehn von ihnen wurden von NHL-Teams gedraftet. Drei davon in der ersten Runde: Brendan Brisson 2020 von den Vegas Golden Knights, Jake Sanderson 2020 von den Ottawa Senators und Matthew Beniers 2021 an der zweiten Stelle von den Seattle Kraken.

Zu den Spielern von den Universitäten gesellen sich noch fünf Legionäre aus der Kontinental Hockey League (KHL), drei aus nordamerikanischen Minor-Leagues, zwei Akteure aus der schwedischen Top-Liga und einer aus der PENNY DEL. Der Ingolstädter David Warsofsky vertritt die Schanzer-Panther in China. Der Spieler mit der meisten NHL-Erfahrung im Team ist Mittelstürmer Nick Shore. Der 29-Jährige spielte über 300 Mal in der besten Liga der Welt, hauptsächlich für die Los Angeles Kings.

Es klingt, als wäre das eine gute, vielleicht sogar sehr gute Mischung aus jungen hungrigen Zockern und erfahrenen Führungsspielern. Ob die USA am Ende erfolgreich sein werden, entscheidet sicher auch die Frage, wie sie mit dieser Geschichte eines Wunders, des Eishockey-Wunders schlechthin umgehen. Vielleicht finden sie ja einen Dreh, diese Story neu zu erzählen, dann wäre es definitiv Fluch statt Segen.

Olympia-Bilanz seit 1990

Deutschland vs. USA

0:5 (20.02.2002, Viertelfinale, Salt Lake City)

4:3 (26.02.1994, Spiel um Platz 7, Lillehammer)

0:2 (11.02.1992, Vorrunde, Albertville)