So verlief der April für die deutschen Profis in Nordamerika

Ein durchaus ereignisreicher Monat April in der NHL liegt hinter uns. Bei der Trade-Deadline am 12. April kamen wie immer einige beachtliche Spielerwechsel zwischen den 31 Teams zu Stande und durch den Corona-Ausbruch im Team der Vancouver Canucks wurde zumindest in der kanadischen Division die Saison bis zum 19. Mai verlängert. In den USA herrscht dagegen ein völlig anderes Bild: Bis auf das United Center in Chicago öffneten alle Arenen wieder ihre Tore für eine begrenzte Anzahl an Zuschauern. Mit dem baldigen Start der Weltmeisterschaft in Riga/Lettland am 21. Mai besteht zumindest bei Spielern wie Tim Stützle, Tobias Rieder oder Moritz Seider, der in Schweden bei Rögle BK spielt, die Hoffnung auf eine WM-Teilnahme.

Wer sich selbst ein Bild vom Geschehen in der besten Liga der Welt machen möchte, kann kommenden Montag auf Dienstag zwei Partien mit deutscher Beteiligung auf SPORT1+ verfolgen:

  • 4. Mai, 02:00 Uhr: Minnesota Wild vs Vegas Golden Knights
  • 4. Mai, 04:30 Uhr: San José Sharks vs Colorado Avalanche

Philipp Grubauer (Colorado Avalanche)

Die gesamte Saison über war Philipp Grubauer aufgrund seiner herausragenden Leistungen die unangefochtene Nummer eins im Tor der Colorado Avalanche. Um also auf einen möglichen Ausfall des Rosenheimers vorbereitet zu sein, „ertauschte“ sich das Team aus der Mile-High-City Denver zur Trade-Deadline den kanadischen Top-Torhüter der San José Sharks, Devan Dubnyk. Damit traf die Organisation wohl die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt, denn nur zwei Tage später musste Grubauer aufgrund einer Corona-Infektion pausieren. Erst am 30. April feierte Grubauer sein Comeback und dies gleich mit einem Shutout gegen die Sharks (3:0).

Leon Draisaitl (Edmonton Oilers)

Foto: Curtis Comeau/Icon Sportswire

Ein Highlight für den gebürtigen Kölner war sicherlich der Hattrick beim Sieg (4:2) gegen die Ottawa Senators am 7. April. Unvergessen wird allerdings Leon Draisaitls 488. NHL-Punkt sein. Auf Zuspiel des Kanadiers Ryan Nugent-Hopkins versenkte er am vergangenen Dienstag den Puck im Tor der Winnipeg Jets mit einem satten One-Timer und zog damit am bisherigen deutschen NHL-Topscorer Marco Sturm vorbei. „Spieler wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Marco Sturm waren Spieler, zu denen ich damals aufgeschaut habe. Wir haben eine Menge guter Spieler, die aus Deutschland kommen und da werden noch viele weitere kommen. Daher macht es mich natürlich stolz, diese Liste nun anzuführen“, so Draisaitl im Interview nach dem Spiel.

Nico Sturm (Minnesota Wild)

Ganze sieben Spiele in Folge gewannen Nico Sturms Minnesota Wild im April. Dadurch erarbeitete sich das Team aus dem Hockey State zum ersten Mal seit 2018 einen Platz in den Stanley Cup-Play-offs. Sturm selbst steuerte in diesem Monat vier Tore zum Erfolg bei. Unter anderem traf der Augsburger dabei am 18. April gegen die San José Sharks beim Rekordspiel von Patrick Marleau, der in dieser Partie am großen Gordie Howe vorbeizog und mit aktuell 1.774 nun die meisten NHL-Hauptrundenspiele der Geschichte absolviert hat. An seinen Erfolg knüpfte Sturm in der letzten Nacht an. Beim Overtime-Sieg seiner Wild erzielte er den 3:2-Führungstreffer, indem er den Puck vor dem Tor aus der Luft abfälschte.

Tim Stützle (Ottawa Senators)

Zwei Tore und vier Assists bilden die persönliche Punkteausbeute von Tim Stützle. Unterm Strich gewann er mit den Ottawa Senators sieben von 14 Spielen im April. Zuletzt stand Stützle mit dem US-Amerikaner Colin White und dem Russen Evgeni Dadonov in der zweiten Reihe auf dem Eis. Im Podcast „Die Eishockey Show“ sagte er: „Ich versuche mich von Spiel zu Spiel zu verbessern und lerne immer noch dazu. Ich hatte mal eine kurze Durststrecke, in der der Puck nicht rein wollte. Aber jetzt habe ich mein Selbstbewusstsein wiedergefunden und ich bin zufrieden mit meinen letzten Spielen.“ Auch Stützle traf in der letzten Nacht. Nach einem erfolgreichen Bully-Gewinn netzte er mit einem starken Handgelenkschuss gegen die Montreal Canadiens ein.

Marc Michaelis (Vancouver Canucks)

Es war ein sehr zäher und unschöner Monat für Marc Michaelis und seine Vancouver Canucks. Insgesamt 25 Spieler und Staff-Mitglieder infizierten sich mit dem Corona-Virus, einige traf es gesundheitlich ziemlich hart, was eine Rückkehr in den Trainingsbetrieb lange unmöglich machte. Am Ende musste das Team aus der Provinz British Columbia zwei Wochen pausieren, was dazu führte, dass die Hauptrunde in der kanadischen Division nun bis zum 19. Mai verlängert wurde. Zu Einsätzen für die Canucks kam Michaelis beim Comeback-Spiel des Teams gegen die Toronto Maple Leafs (3:2 OT) und noch einmal gegen die Ottawa Senators (0:3).

Dominik Kahun (Edmonton Oilers)

In den Punkten macht sich Dominik Kahun in dieser Saison zwar nicht so bemerkbar wie die Jahre zuvor, da er jedoch in den ersten drei Reihen flexibel auf der Flügelposition einsetzbar ist, ist er dennoch ein wichtiger Baustein im Team der Edmonton Oilers. Zuletzt spielte er in der ersten Sturmreihe neben NHL-Topscorer Connor McDavid und dem Finnen Jesse Puljujärvi. Ein besonderer Erfolg: Mit dem 3:1 gegen die Ottawa Senators gewannen die Edmonton Oilers alle neun Begegnungen in dieser Saison mit dem Team aus der kanadischen Hauptstadt.

Moritz Seider (Detroit Red Wings/Rögle BK)

Zwar spielt Moritz Seider noch nicht in der NHL, jedoch sollte er hier nicht unerwähnt bleiben, denn in seiner noch jungen Karriere steht der Draft-Pick der Detroit Red Wings bereits zum zweiten Mal im Finale einer Landesmeisterschaft. Rögle BK setzte sich im Viertelfinale gegen die Frölunda Indians mit 4:0 durch, im Halbfinale gewann man im entscheidenden fünften Spiel gegen Skellefteå AIK. Mit seinem schwedischen Verein, an den die Red Wings Seider zu Saisonbeginn ausgeliehen hatten, trifft er nun auf die Växjö Lakers, das ehemalige Team von Dominik Bokk. Gespielt wird das Finale der SHL im Best-of-Seven Format. Spiel eins verlor das Team aus Südschweden mit 1:2. Seider gelang dabei der einzige Treffer seines Teams. Außerdem wurde er von der Liga zum besten U20-Spieler der Saison ernannt. Er ist damit der erste ausländische Spieler, dem diese Auszeichnung verliehen wird.

Tobias Rieder (Buffalo Sabres)

Nach der Trainerentlassung von Ralph Krueger erholten sich die Buffalo Sabres unter Don Granato von ihrem Tief. Sieben Spiele gewann der Club aus der East Division im April und siegte sogar gegen die Top-Teams aus Boston, Pittsburgh und Washington. So war Tobias Rieder vergangenen Monat auch Teil des ersten offiziellen Pride-Spiels der National Hockey League, bei dem die Liga ein Zeichen für Gleichberechtigung eines Jeden setzte.

Thomas Greiss (Detroit Red Wings)

Für Torhüter Thomas Greiss und seine Detroit Red Wings läuft die Saison weiterhin alles andere als positiv. Das Team, welches sich im Umbruch befindet, steht derzeit auf dem siebten Platz der Central Division und hat damit eigentlich keine Chance mehr, die Play-offs zu erreichen. Greiss hat bisher acht Saison-Siege eingefahren, vier davon in diesem Monat gegen starke Mannschaften wie die Carolina Hurricanes und Tampa Bay Lightning. In seinen letzten beiden Spielen gegen die Columbus Blue Jackets und Tampa Bay Lightning verzeichnete er jeweils einen Shutout. Damit ist er der erste Red Wings-Torhüter seit dem Tschechen Petr Mrazek in 2018, dem dies gelang.

AHL

Die American Hockey League (AHL) gab vergangenen Donnerstag bekannt, dass sie aufgrund der COVID-19-Protokolle der Liga in dieser Saison keine Play-offs um den traditionellen Calder Cup spielen wird. Jede der fünf Divisionen habe die Möglichkeit erhalten, unabhängig ihr eigenes Play-off-Format umzusetzen. Lediglich die Teams der Pacific Division werden die Saison 2020/21 mit einem kleinen Turnier beenden, um so über die Meisterschaft zu entscheiden.

Foto: CityPress

Lean Bergmann (San Jose Sharks/San Jose Barracuda)

Auch für das Team der San José Baracuda läuft es derzeit gut. Nicht unbeteiligt daran ist der deutsche Stürmer Lean Bergmann. Nach zwei Toren und vier Assists im vergangenen Monat kämpft er mit seiner Mannschaft um die oberen Plätze der Pacific Division. Mit 31 Spielen und 34 Punkten steht sein Team derzeit auf dem vierten Platz und hat damit noch gute Chancen in das End-Turnier einzuziehen.

Tom Kühnhackl (Bridgeport Sound Tigers)

Fünf Punkte in acht Spielen – das ist die Bilanz für Tom Kühnhackl, der diese Saison bei den Bridgeport Sound Tigers unter Vertrag steht. Obwohl der Landshuter beispielsweise in vier aufeinanderfolgenden Spielen gepunktet hat, reichte es für die Mannschaft der Atlantic Division bisher nur für sechs Siege der 21 absolvierten Partien und somit den letzten Platz der aus drei Teams bestehenden Gruppe.

Dominik Bokk (Carolina Hurricanes/Chicago Wolves)

Für Stürmer Dominik Bokk lief der Monat April persönlich sehr gut. Mit drei Toren und drei Assists verhalf er seinem Team, den Chicago Wolves, die Führung in der Central Division weiter auszubauen. Eine bisher starke Saison des gebürtigen Schweinfurters, der nach 22 Spielen nun insgesamt sieben Tore, sieben Assists und damit 14 Punkte auf seinem Konto verbuchen kann.

Leon Gawanke (Winnipeg Jets/Manitoba Moose)

Die Manitoba Moose und der gebürtige Berliner Leon Gawanke stehen derzeit auf Platz zwei der vier Teams umfassenden kanadischen Division. Nach bisher 28 Spielen kommt das Team mit dem Elch als Wappentier auf nunmehr 14 Siege und hat damit 13 Punkte Rückstand zum Erstplatzierten Laval Rocket – dem Ex-Team von Adler-Mannheim-Stürmer Markus Eisenschmid