DEB startet bisher größtes trainingswissenschaftliches Studienprojekt des Verbandes

Der Deutsche Eishockey-Bund e.V. hat in diesem Jahr das bislang größte DEB-Studienprojekt im Bereich Trainingswissenschaft gestartet. In Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und mit Unterstützung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BiSp) begann der DEB eine Untersuchung zum Thema „Kognitiv-motorisches Interferenztraining zur Verbesserung von spielbezogenen Schnelligkeitsleistungen“. Ziel des Projektes ist eine signifikante Steigerung der Handlungsschnelligkeit von Spielern*Innen in komplexen Spielsituationen – ein leistungsentscheidender Faktor.

Im Rahmen der Studie werden zunächst Bestandsaufnahme bei allen Eishockey-Nationalmannschaften vorgenommen, geschehen ist dies bereits bei der Frauen-Nationalmannschaft. Hierzu werden sowohl auf dem Eis als auch abseits des Eises mehrfach verschiedenste Leistungstests absolviert. Die Spieler*Innen werden dabei mit sehr komplexen Aufgaben konfrontiert, die bei hoher Bewegungsgeschwindigkeit schnelle Wahrnehmungs- und Entscheidungsleistungen erfordern. Dabei werden Handlungen auf dem Eis auch mit kognitiven Zusatzaufgaben ausgeführt. Typischerweise entstehen dabei sog. Doppelaufgabenkosten, was bedeutet, dass Spieler*innen mit Zusatzaufgaben motorisch langsamer werden.

Zwischen den Tests liegen verschiedene Trainingsinterventionen, die darauf ausgelegt sind, genau diese Kosten zu minimieren, also trotz der kognitiven Zweitaufgabe die motorische Schnelligkeit hochzuhalten. Dieses Training findet sowohl als spezielles „Doppelaufgabentraining“ auf dem Eis und – zeitlich versetzt – als kognitiv-motorisches Training mit einem eishockeyspezifischen Virtual-Reality-System statt. Beim Projekt wird zum einen mit einem stationären Messsystem am Bundesstützpunkt in Füssen gearbeitet, zum anderen kommt auch ein mobiles System zum Einsatz, das etwa auch bei verletzten Spielern*Innen eingesetzt werden kann. „Wir versprechen uns davon, dass Verletzte dadurch schneller in das Mannschaftstraining integriert werden können, um letztlich auch schneller in den Wettkampf zurückzukehren“, sagt Karl Schwarzenbrunner, Bundestrainer für Wissenschaft und Ausbildung.

Schwarzenbrunner, der das Projekt federführend mit Karen Zentgraf von der Goethe-Uni Frankfurt begleitet und die Idee mit ihr gemeinsam entwickelte, führt weiter aus: „Wir wollen feststellen, ob wir mit gezielten Eingriffen so trainieren können, dass die Spieler bessere und schnellere Entscheidungen treffen können. Das Studiendesign muss so sein, dass man wirklich erkennt, ob die Übungen etwas bringen. Wir gehen auch über die Spielparameter und analysieren das. Unser Ziel ist eine Eishockey-nahe Spezifik mit klaren Aussagen zur Leistung, denn es basiert bei diesem Themengebiet sehr viel auf Glauben, aber nur sehr wenig auf Gewissheit.“ Zentgraf ergänzt: „Wir wollen die Spieler*Innen dabei unterstützen, im Spiel mit höchster Geschwindigkeit – sowohl motorisch als auch wahrnehmungs- und entscheidungsbezogen – zu agieren. Analysen haben gezeigt, dass dies heute und in Zukunft noch mehr ein entscheidender leistungsrelevanter Faktor sein wird. Genau hier setzt das Projekt an: wir wollen Wissen schaffen, ob und durch welche Form des Trainings handlungsschnelle Spieler*Innen entwickelt werden können.“