„Coach the Coach“ mit Anja Strohmenger & Collin Danielsmeier: „Es geht nicht darum, mit der Mannschaft das nächste Spiel zu gewinnen“

Erziehung, Kontaktpflege zu Eltern und Vereinen, Torhüter- und Athletiktraining: All das sind Aufgaben, neben den klassischen Anforderungen im Traineralltag, die heutzutage in der Spielerausbildung dazugehören sollten. In der 17. Ausgabe des DEB-Podcasts „Coach the Coach“ begrüßt Karl Schwarzenbrunner die Nachwuchskoordinatorin der Düsseldorfer EG, Anja Strohmenger, und den U13-Trainer der Iserlohn Young Roosters, Collin Danielsmeier. Strohmenger geht ihrem Beruf nun seit 20 Jahren nach und bringt dadurch viel Erfahrung in die Nachwuchsmannschaften U7 bis U15. In der vergangenen Saison wurde sie zur Nachwuchstrainerin des Jahres gekürt. Auch Ex-Profi Collin Danielsmeier hat das nötige Knowhow, das er als Nachwuchs- und Techniktrainer benötigt. Mit den Kölner Haien wurde er 2002 deutscher Meister in der DEL und lief insgesamt elf Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf. Den Ausbildungszweig „Techniktrainer“ betreut Danielsmeier nun schon seit mehreren Jahren und nennt es sein „Steckenpferd“.

Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach den größten Veränderungen der letzten Jahre in der Nachwuchsausbildung durch die aktuelle Folge und greift dabei immer wieder interessante Themen auf: „Ist man mehr Trainer*In oder mehr Lehrer*In?“ und „Wird der rein autoritäre Trainertyp aussterben?“. Außerdem werden die Probleme diskutiert, mit denen sich Trainer*Innen kleinerer Vereine konfrontiert sehen.

Danielsmeier bezeichnet die Denkweise von Trainern*Innen und Eltern als eine der größten Veränderungen in der Nachwuchsausbildung. „Wir versuchen eine deutlich spielerorientiertere Ausbildung zu ermöglichen“, sagt er, „es geht nicht darum, mit der Mannschaft das nächste Spiel zu gewinnen, sondern darum, Spieler*Innen langfristig auszubilden und im Eishockey zu halten.“ Ergänzend dazu hebt Strohmenger den stetig wachsenden Austausch der Trainer und Trainerinnen untereinander hervor.

Einen Spagat zwischen der Erzieher- und Trainerrolle erachtet Strohmenger ebenfalls für notwendig, da man seinen Spielern bestimmte Dinge, wie Disziplin und Beharrlichkeit, mit auf den Weg geben möchte, aber in vielen Situationen auch durchgreifen muss. Beide sehen den Aspekt, dass sich viele Jugendliche in den entsprechenden Altersklassen in der Pubertät befinden, als einen wichtigen Bestandteil beim Umgang miteinander. Zudem betont Danielsmeier den wesentlichen Punkt, dass bei weitem nicht jeder Spieler den Sprung zum Profi schafft.

„Eltern wollen immer nur das Beste für ihre Kinder und daraus entstehen manchmal Schwierigkeiten“, sagt Danielsmeier. Den Umgang mit den Eltern der Spieler*Innen sieht er daher als enorm wichtig an, sie sind schließlich diejenigen, die den Kindern den Zugang zum Eishockey ermöglichen. „Wir versuchen die Eltern dahin zu bekommen, dass sie verstehen, was wir Trainer machen und warum wir wie handeln.“ So appellieren die beiden auch an Eltern, dass man ein gewisses Verständnis für Handlungen der Trainer haben muss, sei es im Training oder im Spiel.

Oft sind Schwierigkeiten, die in der Nachwuchsarbeit entstehen, von außen nicht sofort ersichtlich. Beispielsweise wird konstatiert, dass sich nicht alle Vereine können eine(n) Torwarttrainer*In leisten können, was die Torhüterausbildung vor allem in den unteren Altersklassen erschwert. Für Danielsmeier bezeichnet die Torhüterposition gar als eine eigene Sportart. „In der Trainerausbildung wird Trainern und Trainerinnen im Athletikbereich mehr an die Hand gegeben als zum Thema Torhüter. Man könnte überlegen, ob man Trainer*Innen dahingehend mehr ausbildet“, sagt er.

Bei kleineren Vereinen sind Probleme oft noch grundsätzlicher. Knappheit der Eiszeiten oder das Fehlen hauptamtlicher Trainer*Innen sorgen vielfach für Nöte. Strohmenger schlägt vor: „Man könnte diesen kleinen Vereinen helfen, indem wir – die größeren Vereine – zeigen, wie wir die Dinge angehen und uns anschauen wie die Gegenseite arbeitet. Dadurch könnte man einen Konsens finden und aus den gegebenen Möglichkeiten das Beste herausholen.“ Das Ziel von Eishockey-Deutschland sei es letztlich bei allen, Nachwuchsspieler*Innen auszubilden und zu fördern. Gleichzeitig müsse an jedem Standort das Optimum herausgeholt werden mit der bestmöglichen gegenseitigen Unterstützung.

Beim Blick in die Zukunft des Nachwuchs-Eishockeys hofft Danielsmeier auf eine sich immer weiter entwickelnde Trainerausbildung und eine noch bessere Zusammenarbeit der Trainer untereinander, damit noch mehr junge Spieler noch besser werden. Strohmenger stützt sich auf die vergangenen Entwicklungen und nennt Spieler wie Moritz und Florian Elias, Alexander Blank oder Tim Stützle, die alle ein Produkt des Umdenkens im deutschen Eishockey vor einigen Jahren seien.

Hier geht’s zur Podcast-Folge mit Anja Strohmenger und Collin Danielsmeier.