"Ich komme nach Deutschland zurück"
München, 07. Juni 2011 - Christian Ehrhoff ist neben Dirk Nowitzki der derzeit berühmteste Deutsche, der in den USA und Kanada sportliche Erfolge feiert. Zusammen mit seinem Club, den Vancouver Canucks, kämpft Ehrhoff aktuell um den Stanley Cup, die begehrteste Trophäe im Eishockeysport. Einer seiner Konkurrenten ist ebenfalls ein Deutscher: Dennis Seidenberg. Seine Boston Bruins versuchen, Ehrhoff den Cup streitig zu machen. Wie es auch ausgehen mag – in jedem Fall wird nach Uwe Krupp 1996 erstmals wieder und überhaupt erst der zweite Deutsche die Schale in den Himmel reißen dürfen.
Inzwischen spürt auch Ehrhoff, dass da etwas ganz besonderes auf ihn zurollt. Alleine, dass die Canucks die Finalrunde erreicht haben sei schon toll, aber vor allem bereits ein wenig Lohn der harten Arbeit. "Wir haben schließlich das ganze Jahr darauf hingearbeitet", so der Wahl-Kanadier. Jetzt müsse der Stanley-Cup nur noch her, dann "habe ich meinen größten Traum wahr gemacht."
Interviewanfragen trudeln im Moment vor allem aus Deutschland ein, ein wenig genießt er es schon. "Sicherlich ist es schön, wenn meine Leistungen auch in Deutschland anerkannt werden", sagt er. Die Leistungen – da gibt es schon eine ganze Reihe Erfolge, nicht nur in den USA/Kanada. Ehrhoff zählte zum All-Star-Team bei der Weltmeisterschaft in Deutschland 2010 und 2003 war er Deutscher Meister mit den Krefeld Pinguinen. In Übersee gewann er zweimal die Babe Pratt Trophy, die Ihn als bester Verteidiger der Canucks auszeichnet. Und doch: Das große Ziel bleibt der Stanley-Cup, und dass er seinem großen Vorbild Uwe Krupp möglicherweise bald auf Augenhöhe begegnen kann.
Der Junge hat Biss. Auf dem Weg in die Finals mussten sich die Canucks gegen Ehrhoffs ehemalige Teamkollegen, die San José Sharks, durchsetzen. "Das war schon ein komisches Gefühl. Schließlich habe ich mit den Jungs jahrelang zusammengespielt. Allerdings möchte man gerade dann natürlich als Sieger vom Eis gehen", beschreibt der gebürtige Moerser seine Emotionen. Beruflich hat er seine Heimat gefunden: "Ganz klar die NHL." Hier kann er seinen Traum leben, hier treffen sich die besten Eishockeyspieler der Welt. Einen Vergleich mit der DEL wagt er nicht. "NHL und DEL kann man schlecht vergleichen, das Eishockey ist schneller, körperbetonter und intensiver als in der DEL."
Privat sieht die Sache etwas anders aus. Vancouver sei schon sehr schön, doch "leider regnet es sehr viel". Deutschland ist jetzt zwar nicht gerade bekannt für regenfreie Jahre, dennoch "werde ich nach meiner Karriere nach Deutschland zurückkehren", plant Ehrhoff seine Zukunft. Am Wetter liegt das dann wohl nicht. In Deutschland ist er geboren, dort begann seine Karriere und die Verbundenheit ist nach wie vor groß: "Ich verbringe jeden Sommer in Deutschland! Ich wohne in Krefeld und bin auch sehr oft in Moers." Wenn die Finalserie weiterhin so gut läuft, kehrt er diesen Sommer vielleicht als Stanley-Cup-Gewinner nach Hause zurück.
Christian Ehrhoff bei der WM 2010 in Köln (Foto: City Press)



