26. Auflage mit der Premiere in Augsburg / Deutschland mit vier Titeln

Der Deutschland Cup hat eine neue Heimat. Zum 26. Mal findet das traditionsreiche Turnier in diesem Jahr statt, zum ersten Mal im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg. Die nächsten drei Auflagen des Turniers werden nun im Schwabenland stattfinden, nachdem man zuvor seit 2009 in München zu Gast war.

Begonnen hat die Geschichte des Cups 1987: Stuttgart war die erste Heimat des Deutschland Cups, acht der ersten neun Austragungen fanden dort in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle statt (1993 und 1994 gemeinsam mit Neu-Ulm und Pforzheim, 1993 zusätzlich noch mit Bietigheim), nur 1991 musste man wegen Problemen mit der Eisanlage nach Frankfurt ausweichen.

Als der Deutschland Cup 1987 in Stuttgart zum ersten Mal ausgetragen wurde, war die Welt noch eine gänzlich andere. Deutschland war noch geteilt und am Dreier-Turnier nahm neben Polen noch die Tschechoslowakei teil, die die erste Auflage des neuen Wettbewerbs auch gewinnen konnte – lange bevor der „Eiserne Vorhang“ fiel und sich die beiden Staaten trennten.

„Ein Turnier würde dem deutschen Eishockey guttun“, meinte der damalige Bundestrainer Xaver Unsinn mit Blick auf die traditionsreichen Turniere zum Jahreswechsel im Ausland wie den Iswestija Cup. Und so fanden die ersten beiden Auflagen in Stuttgart in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle auch im Dezember statt. Der Zuspruch war groß, das Spiel zwischen der CSSR und Deutschland war sogar ausverkauft. Trotzdem musste noch improvisiert werden: Gespielt wurde auf dem Kunsteis der Eis-Show „Holiday on Ice“, die Banden wurden vom WM-Veranstalter Österreich ausgeliehen.

Kurioses gab es auch bei der zweiten Auflage: Vor dem letzten Tag fiel aufgrund einer defekten Pumpe die Eisanlage aus. Ersatz musste beschafft und ein Spiel verschoben werden. Das zweite Spiel des Tages fand deshalb kurzfristig in der Waldau-Eishalle in Stuttgart statt. Für Aufsehen sorgte zudem der Schweizer Nationalcoach Simon Schenk, der kurz vor dem Ende gegen Deutschland beim Stand von 7:7 seinen Goalie vom Eis nahm und prompt das 7:8 hinnehmen musste. Die Presse zitierte ihn später mit den Worten „Wir spielen hier nicht für die Statistik, sondern um ein Preisgeld.“ Und das war stattlich: 1990 (1989 gab es aus terminlichen Gründen kein Turnier) wurden 250.000 Mark an Preisgeld bereitgestellt und entsprechend konnte sich das Teilnehmerfeld mit den Gästen aus Finnland, Schweden und der Tschechoslowakei auch wahrlich sehen lassen.

1997 wechselte man mit dem Deutschland Cup dann nach München und Füssen, nachdem die Zuschauerzahlen in Stuttgart zurückgegangen waren. Dann blieb die Suche nach einem geeigneten Austragungsort blieb zunächst erfolglos und so gab es erst 2000 in Hannover in der damaligen neuen Arena im Vorfeld der Heim-WM 2001 eine Neuauflage. Bis 2007 wurde das Turnier achtmal in Folge in Hannover ausgetragen, 2004 und 2005 zudem mit „Außenspielen“ in Kreuzlingen (Schweiz) und Hamburg sowie Zürich und Mannheim. Ehe der Cup 2009 seine neue und nach Stuttgart längste Heimat in München fand, gab das Duo Mannheim/Frankfurt 2008 ein Zwischenspiel. Im Olympiapark in München wurde das Turnier zuletzt dreimal in Folge in der Olympia-Eishalle ausgetragen. Davor spielte man in der größeren Olympiahalle.

Nach der vergangenen Austragung lief der Vertrag zwischen der Olympiapark GmbH und dem DEB aus und beide Seiten konnten sich aus finanziellen Gründen nicht auf eine Verlängerung einigen. So zog man ein Stückchen weiter westlich nach Augsburg. „Wir sehen den Zuschlag als Lohn für die harte Arbeit, die wir seit vielen Jahren in den Eishockeystandort Augsburg investieren. Mit dem Curt-Frenzel-Stadion verfügen wir zudem über eine ganz besondere und rundum modernisierte Eishalle, die perfekt zu diesem Turnier passt“, so Lothar Sigl, Hauptgesellschafter der Augsburger Panther, der seine Gefühlslage nach dem Zuschlag „als sehr stolz“ beschrieb.

„Augsburg bietet mit seinem tollen Publikum, dem neuen Curt-Frenzel-Stadion mit perfekter Infrastruktur und der langjährigen, großen Leistung der Panther und des AEV für den Eishockeysport, die beste Voraussetzung für den international renommierten Deutschland Cup“, so DEB-Präsident Franz Reindl. „Der Deutschland Cup ist für uns in mehrerlei Hinsicht ein wichtiges Turnier – wirtschaftlich, sportlich und auch weil sich dort traditionell die deutsche Eishockeyfamilie trifft.“

Seit 2008 nehmen stets vier Teams am Turnier teil, neben Deutschland noch die Schweiz und die Slowakei und jeweils Kanada und die USA im Wechsel.

Die USA, die in diesem Jahr turnusgemäß wieder Kanada ersetzen, konnten sich bei der letzten Teilnahme 2013 den insgesamt dritten Turniersieg sichern und überzeugten mit einer läuferisch starken, ungemein schnellen Auswahl von Spielern aus den europäischen Top-Ligen.

Die Schweiz trennte sich erst im Oktober von Nationalcoach Glen Hanlon. Interimstrainer Felix Hollenstein steht aus familiären Gründen nicht zur Verfügung. Betreut wird das Team beim Cup vom bisherigen Assistenten John Fust. Im Vorjahr wurde die Schweiz Zweiter. Der letzte Turniersieg liegt acht Jahre zurück (2007).

Wechselvoll sind die Auftritte des dreimaligen Siegers Slowakei. 2012 sicherte man sich zwar den Turniersieg, aber in fünf der letzten acht Jahre beendete man das Turnier als Letzter. Im Vorjahr wurde man Dritter. Mit Zdeno Ciger steht bei den Slowaken ein neuer Coach an der Bande. Das slowakische Eishockey wird aber von einem Machtkampf erschüttert. Mehrere Spieler weigern sich, unter dem im Sommer wiedergewählten Verbandspräsident Igor Nemecek im Nationalteam aufzulaufen.

Rekord-Teilnehmer am Deutschland Cup ist natürlich die DEB-Auswahl, die in allen Jahren mit dabei war. Die Schweiz und Kanada kommen auf 19 bzw. 17 Teilnahmen. Weitere Teilnehmer waren die Slowakei (16), USA (8), Tschechoslowakei/Tschechien (7), Finnland (4), Schweden (4), UdSSR/Russland (4), Japan (2), Polen (2), Dänemark (1), Lettland (1), Italien (1). Einmal nahm auch ein DEL All Star-Team anlässlich der DEL-Gründung 1994 teil.

Rekordsieger ist Deutschland mit sechs Titelgewinnen (zuletzt 2014), vor Kanada und UdSSR/Russland (je 4). UdSSR/Russland ist zudem das einzige Land, das dreimal in Folge gewinnen konnte (1991 bis 1993).

Rekordspieler ist Michael Wolf. Zehnmal nahm der Angreifer von München teil. Eine weitere Teilnahme wird aber nicht mehr hinzukommen, denn nach der WM 2015 beendete Wolf seine Laufbahn im Nationaltrikot. Tobias Welck